Explosionen und Gewehrschüsse hallen durch die Landschaft eines Bürgerkriegslagers. 

  • Mehrere Soldaten drängen sich um einen kleinen Tisch.
  • Sie vertreiben sich die Zeit mit einer Partie Poker und werfen Spielkarten und Geld hin und her. 
  • Der Krieg mag direkt vor ihren Augen sein. 

Aber diese Männer konzentrieren sich auf das Spiel, das sie gerade spielen...

Diese Szene stammt nicht aus einem Fantasy-Film. Sie war ein normaler Nachmittag für viele Soldaten während des amerikanischen Bürgerkriegs von 1861 bis 1865. 

Leider sind Krieg und bewaffnete Konflikte ein wichtiger Teil der Menschheitsgeschichte. Von Weltkriegen über Bürgerkriege bis hin zur Abwehr von Möchtegern-Eroberern - das Leben eines Soldaten kann von einer gewalttätige Existenz geprägt sein.

In diesem Artikel erfahren Sie alles über das Pokerspiel in den weniger friedlichen Zeiten der Menschheitsgeschichte. 

Inhaltsverzeichnis

Poker als Flucht vor dem Krieg

Manchmal kann der Krieg schon fast eintönig sein, wenn die Truppen auf die nächste Schlacht warten. Für viele Soldaten im Laufe der Geschichte war eine Pokerrunde eine gute Möglichkeit, die Zeit totzuschlagen. Vielleicht konnte das Spiel die jungen Männer von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenken - dem Töten und Besiegen des Feindes.

Stellen Sie sich den Stress vor, den es bedeutet, das eigene Überleben zu sichern, in der Hoffnung, eines Tages seine Lieben wiederzusehen.

Schlachtfelder und Kasernen mögen als ungeeignete Orte für ein Pokerspiel erscheinen. Aber für viele Soldaten war das Kartenspiel in Kriegszeiten die perfekte Flucht vor der harten Realität des Krieges. 

Poker bot eine Abwechslung von der Alltäglichkeit der Gewalt und der Angespanntheit, die das Leben in einem Kriegsgebiet mit sich bringt.

Die Amerikanische Revolution

Die Amerikanische Revolution

Obwohl das Spiel, das die Welt als Poker kennt, erst im frühen 19. Jahrhundert Bekanntheit erlangte (übrigens eine gute Gelegenheit, mehr über die Geschichte des Pokerspiels zu erfahren), spielten die Amerikaner das Spiel schon während der Kolonialzeit. Es war ein Überbleibsel der Beliebtheit von Glücksspielen in Europa. 

Dazu gehörten Kartenspiele wie Piquet, Whist, Faro und andere. Diese Spiele standen im Gegensatz zu dem, was viele als frühe puritanische Sensibilität betrachteten.

"Tatsächlich wurde das Glücksspiel, ob mit Karten, Würfeln, Backgammon oder Billard, zu einem Markenzeichen der elitären Kultur Virginias", schreibt der Autor David Schwartz in seinem Buch „Roll the Bones: Die Geschichte des Glücksspiels.“

Der Autor erzählt die Geschichte eines Franzosen in Virginia im Jahr 1686, der die ständige Vorliebe seines Gastgebers für Glücksspiele beobachtete. Der Franzose bemerkte, dass sein Gastgeber sofort nach dem Abendessen mit dem Kartenspiel begann, was ihm seltsam vorkam.

"Um Mitternacht, als die Ungeduld des Reisenden schließlich von einem der vertieften Kartenspieler bemerkt wurde, riet man ihm, sich zu Bett zu begeben, da das Spiel gerade erst in Gang gekommen sei", schreibt Schwartz. "Am nächsten Morgen wachte der Franzose auf und fanden die Herren immer noch eifrig bei ihrem Spiel.“

Als 1775 der Krieg zwischen den amerikanischen Kolonien und Großbritannien ausbrach, war es nicht unwahrscheinlich, dass zumindest einige junge Soldaten Fans des Kartenspiels waren. 

Sogar General George Washington war als regelmäßiger Spieler bekannt und führte ein lückenloses Protokoll über seine Gewinne und Verluste am Kartentisch.

General WashingtonDoch während des Krieges forderte Washington seine Truppen auf, das Glücksspiel hinter sich zu lassen und sich auf die Freiheit der Nation zu konzentrieren. Einmal bezeichnete er das Glücksspiel sogar als "das Kind des Geizes, den Bruder der Ungerechtigkeit und den Vater des Unheils.“

Während das Spiel unter den Soldaten wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad fortgesetzt wurde, hatten viele von ihnen möglicherweise nicht das Geld zum Spielen. Washington musste den Kongress regelmäßig anflehen, seine Soldaten zu bezahlen. 

Im November 1781 bedeuteten die britischen Blockaden des amerikanischen Handels und die Unfähigkeit, weitere Kredite von Frankreich zu erhalten, dass der Kongress die Truppen nicht mehr bezahlen konnte.

Der Vertrag von Paris wurde 1783 unterzeichnet, beendete den Krieg und machte die USA zu einem unabhängigen Land. Selbst Washington, der bald der erste Präsident der jungen Nation werden sollte, war über dieses Ergebnis erstaunt. 

Er hielt den Sieg über eine so dominante Macht für ein "Wunder", als hätte er einen Two-Outer am River getroffen.

Der Mexikanisch-Amerikanischer Krieg

Dieser Krieg von 1846 bis 1848 war die erste Schlacht der Vereinigten Staaten, die hauptsächlich auf fremdem Boden ausgetragen wurde. Er führte zu einer bedeutenden Ausdehnung des US-Territoriums. Texas war 1836 von Mexiko unabhängig geworden und wurde 1844 an die USA angegliedert.

US-Präsident James Polk stationierte Truppen entlang der Grenze zwischen Texas und Mexiko, um die Annexion des Lone Star State zu schützen. Kleinere Scharmützel eskalierten schließlich zu fast zweijährigen Kämpfen. 

Der Mexikanisch-Amerikanischer Krieg

Mehr als 1.700 amerikanische und 5.000 mexikanische Soldaten starben, Tausende wurden verletzt.

In dem Krieg, der in Texas, New Mexico, Kalifornien, Mexiko und sogar Mexiko-Stadt ausgetragen wurde, kamen Schätzungen zufolge weitere 4 000 Zivilisten ums Leben.

"Die Kämpfe begannen mit einem Grenzgefecht am Rio Grande, auf das eine Reihe von Siegen der USA folgten", schreibt History.net über den Krieg. "Als sich der Nebel des Krieges legte, hatte Mexiko etwa ein Drittel seines Territoriums verloren, darunter fast das gesamte heutige Kalifornien, Utah, Nevada, Arizona und New Mexico.“

Der Mexikanisch-Amerikanische Krieg sorgte dafür, dass das Pokerspiel unter den Soldaten sich immer größerer Beliebtheit erfreute. Von New Orleans aus kannte es bald fast jeder im Land. Es wurde vor allem unter den Amerikanern auf den Schiffen auf dem Mississippi populär. Junge Männer spielten das Spiel in den Truppenlagern in den USA, Mexiko und im Südwesten.

Es ist gut möglich, dass viele der jungen Soldaten, die in den Krieg gegen Mexiko zogen, das Spiel auf diesen Schiffen kennengelernt hatten. Oder zumindest hatten sie das Spiel von anderen Pokerspielern gelernt, die irgendwo rund um den Mississippi als Dealer oder aktiv an einer Runde teilgenommen hatten.

Die Popularität wuchs während und nach dem Krieg sprunghaft. Pokerspieler brachten anderen zwischen den Kämpfen das Spiel bei.

"Obwohl viele Offiziere davon abrieten, trugen immer mehr Veteranen des Krieges und jüngere Rekruten ein Kartenspiel im Tornister mit sich", schreibt der Autor James McManus in seinem Buch „Cowboys Full: The History of Poker“ über Soldaten, die in den amerikanischen Bürgerkrieg zogen. 

Viele der neuen Gebiete, die nach dem Sieg der Amerikaner erobert wurden, sollten in den kommenden Jahren eine entscheidende Rolle für das Wachstum des Pokerspiels spielen. Mit der Expansion nach Westen und dem Aufschwung durch die Gold- und Silberminen wurde Poker in den westlichen Staaten immer beliebter. 

Gespielt wurde in Minencamps, Saloons, Billardhallen, Hinterzimmern und sogar Schlafwagons. 

Und überall dort, wo die Spieler bereit waren, ein paar Dollar zu setzen, gab es Kartenspiele.

Der Amerikanischer Bürgerkrieg

Der US-amerikanische Bürgerkrieg war ein gewalttätiges und brutales Ereignis, bei dem Familienmitglieder gegeneinander in den Krieg zogen. Experten schätzen, dass mehr als 750 000 Soldaten im Kampf zwischen der Union und der Konföderation ihr Leben ließen.

Viele andere verloren Gliedmaßen oder erlitten schwerwiegende Verletzungen. Man kann sich leicht vorstellen, dass man sich beim Pokern von dem Verlust seiner Kameraden ablenken wollte, wenn man selbst mit dieser Aussicht konfrontiert war.

Es war nicht ungewöhnlich, Soldaten am Pokertisch zu sehen, die versuchten, einen Teil ihres mageren Solds aufzubessern. Fotos aus jener Zeit haben genau diese Momente festgehalten. Die Soldaten harrten oft stundenlang in den Lagern aus und warteten auf die nächsten Gefechte. Um sich diese Zeit zu vertreiben, griffen viele zum Glücksspiel.

"Für Hunderttausende von Soldaten in den Lagern des Bürgerkriegs bot das Spiel eine Abwechslung zu anderen Unterhaltungsaktivitäten wie Trinken, Boxkämpfen, Chuck-a-Luck (ein Drei-Würfel-Spiel, das dem Würfelspiel Craps ähnelt) oder Wetten auf den Ausgang eines Rennens zwischen Läusen", schreibt McManus in „Cowboys Full: The History of Poker“.

Der Amerikanischer Bürgerkrieg

Da viele Soldaten mit einem hohen Risiko konfrontiert waren, hatte das Sparen womöglich keine große Priorität. Das obige Foto zeigt ein Stück Vergangenheit, als Feldoffiziere der 114th Pennsylvania Infantry an einem Pokerspiel teilnehmen.

Das Foto wurde im August 1864 in Petersburg, Virginia, aufgenommen und gibt einen Einblick in das Leben in einem Bürgerkriegslager. Die Unionssoldaten schauten auf die Karten, während im Hintergrund die Zelte zur Unterbringung der Truppen zu sehen sind.

Die Männer haben ihre Pfeifen angezündet und eine Schnapsflasche auf dem Tisch stehen. Angesichts der Aussicht, bald mit Kanonenkugeln und Gewehrsalven konfrontiert zu werden, war ein freundschaftliches Kartenspiel eine Möglichkeit, sich zu entspannen und sich von der Realität abzulenken, die vor ihnen lag.

Die Weltkriege

Wie in früheren Kriegen suchten die Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg nach Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Zwischen den Schlachten konnte eine gewisse Eintönigkeit aufkommen und Poker schien oft die Lösung zu sein. Dies galt für Soldaten aus vielen Ländern, die an den beiden großen Kriegen des 20. Jahrhunderts beteiligt waren.

Eine Schlüsselfigur bei der Beendigung des Ersten Weltkriegs war ebenfalls ein leidenschaftlicher Pokerspieler. Herbert Yardley war ein begabter Kryptologe, der sich jahrelang am Pokertisch mit seinen Gegnern duellierte. Er diente während des Krieges im U.S. Signal Corps und half, die militärischen Geheimdienstbemühungen des Landes zu leiten.

Yardley und sein Team begannen, deutsche Codes zu knacken und leisteten damit einen wichtigen Beitrag. Nach dem Ende des Konflikts wurde er zum Leiter des U.S. Cipher Bureau ernannt und begann, japanische Codes zu knacken. Die Abteilung wurde jedoch aufgelöst und Yardley startete ein Leben als Autor.

Seine Memoiren, The American Black Chamber, boten den Lesern Einblicke in die Arbeit des US-Geheimdienstes. Das Buch wurde zu einem großen Erfolg, sehr zum Leidwesen der Bundesregierung. 

Yardley gilt als James Bond-ähnlicher Charakter, der sogar eine Vorliebe für das Glücksspiel hatte. In seinem 1957 erschienenen Buch The Education of a Poker Player (Die Erziehung eines Pokerspielers) beschrieb er seine eigenen Erfahrungen an den Pokertischen in einem der ersten modernen Poker-Strategiebücher.

Dieser pokerspielende Bundesbeamte war nicht sehr zurückhaltend, wenn es um seinen Erfolg an den Tischen ging. Seine Überlegungen zu seiner Zeit als Pokerspieler erinnern an einen gewissen James Bond. Der Geheimdienst, das Reisen rund um den Globus und die Tatsache, dass er scheinbar nie verliert, spielten dabei eine Rolle.

"Ich habe mein ganzes Leben lang ständig beim Poker gewonnen - in meiner Heimatstadt, in Indianapolis, Washington, New York, Hollywood, London, Paris, Kairo, Rom, Hongkong, Chungking, auf Schiffen, in Zügen und Flugzeugen", schreibt er in der ersten Zeile von The Education of a Poker Player. "Und ich habe noch nie bei drei aufeinanderfolgenden Sessions verloren".

Während des Zweiten Weltkriegs spielten die Soldaten der verschiedensten Länder Poker. 

Die U.S. Playing Card Company ging sogar eine Partnerschaft mit der US-Regierung ein, um den Soldaten Kartenspiele zukommen zu lassen. Häufig waren es die klassischen Varianten wie „Spades“ und „Hearts“. Aber Soldaten, die Zeit hatten, spielten zwischen den Schlachten auch Poker.

Das Interesse der Soldaten am Pokern spielte sogar eine Rolle bei der Rettung von Soldaten, die hinter den feindlichen Linien gefangen waren. 

"Es war die Marke des Unternehmens, Bicycle, die am meisten für die Truppen auf dem Schlachtfeld getan hat", schreibt Business Insider. "Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Bicycle mit britischen und amerikanischen Geheimdiensten zusammen, um ein Kartendeck zu entwickeln, das sich bei Nässe ablösen ließ. Die Karten enthüllten dann geheime Fluchtkarten, sodass abgeschossene Piloten und gefangene Soldaten ihren Weg zurück zu den alliierten Linien finden konnten."

Bicycle hat dieses Kartendeck, das sogenannte "Escape Map Deck", sogar nachgebaut. Die Karten ehren die geheimen Umstände, die das ursprüngliche Kartendeck umgeben. Auf der Vorder- und Rückseite sind die Karte mit Originalmotiven versehen.

Poker muss ein beliebter Zeitvertreib unter den Soldaten gewesen sein. Nach dem Krieg kehrten diese Soldaten nach Hause zurück und spielten weiter.

Einen regelrechten Boom erlebte Poker in den 1950er-Jahren, als die Kriegsveteranen das Spiel Freunden, Verwandten und sogar ihren Kindern beibrachten.

Poker im Militär

Zur Zeit des Vietnamkriegs und bei späteren Konflikten auf der ganzen Welt kannte das Spiel so gut wie jeder, denn viele Soldaten waren bereits mit dem Pokerspiel vertraut. Einer von ihnen war der langjährige Pokerkommentator bei der World Poker Tour und Poker Hall of Famer Mike Sexton.

Sexton, ein Fallschirmjäger der U.S. Army, ging während des Vietnamkriegs zum Militär. Poker wurde sofort ein wichtiger Teil seines Lebens in der Armee. Während seiner ersten Woche der Fallschirmjägerausbildung 1970 in Fort Benning, Georgia, nahm er an einem Seven Card Stud Spiel mit einem Einsatz von 1 $ und einem Limit von 5 $ teil.

Es gab keine Pokerchips, nur Bargeld und die Spieler teilten die Karten auf dem Boden aus, anstatt an einem Tisch, nachdem das Licht ausging. Aber das Spiel wurde nach nur neunzig Minuten vorzeitig von den ranghöheren Offizieren beendet und alle Spieler mussten als Strafe in der Küche helfen.

Sextons Zeit bei diesem Pokerspiel erwies sich als profitabel und er verließ den Raum als Gewinner von 43 Dollar. Die Geschichte war eine seiner schönsten Erinnerungen an die Fallschirmjägerausbildung und seine Zeit als Mitglied der 82nd Airborne Division.

"Man wird wirklich erwachsen, wenn man Zeit beim Militär verbringt", sagte er 2019 gegenüber WSOP.com. "Es ist eine lebensverändernde Erfahrung. Man weiß diejenigen wirklich zu schätzen, die gedient haben und schwer verwundet wurden oder das ultimative Opfer gebracht haben, weil man sich bewusst ist, dass es auch einen selbst hätte treffen können."

Zweifellos haben viele andere Soldaten und Infanteristen ähnliche Geschichten zu erzählen. Jessica Dawley, Siegerin der World Series of Poker der Frauen 2018, war von 2001 bis 2007 Mitglied der U.S. Air Force. Sie erinnert sich gerne an die Spiele in den Kasernen während ihrer Einsätze im Nahen Osten und an anderen Orten.

Im Grunde hat Dawley beim Militär aus denselben Gründen gepokert, aus denen Zivilisten das Spiel lieben und gerne Karten spielen.

"Als ich beim Militär war, war Poker unser wichtigstes Unterhaltungsmedium", sagt sie. "Ob in Übersee oder auf Stützpunkten in den USA, wir haben immer einen Weg gefunden zu spielen. Es war eine gesunde Art, Dampf abzulassen und Spaß zu haben.“